Marschenverband Schleswig-Holstein
 

Marschenverband vor neuen Herausforderungen

Übergabe
Ministerin Dr. Juliane Rumpf und Hans-Rudolf Heinsohn nach Übergabe des Berichts. (Foto: Christoph)
Vom Klimawandel direkt betroffen / Arbeitsgruppe Niederungen 2050 übergibt Zwischenbericht an Ministerin Rumpf / Projekt "Wind für Wasser" / Acht Jahrzehnte Marschenverband

Wesselburen, 16. März 2012 - Im Rahmen einer Feierstunde des Marschenverbandes Schleswig-Holstein ist ein Zwischenbericht der Arbeitsgruppe Niederungen 2050 an Landwirtschaftsministerin Dr. Juliane Rumpf übergeben worden. Der Bericht beschreibt unter anderem die Ausgangssituation im Hinblick auf die Auswirkungen der Erderwärmung auf die Niederungsgebiete in Schleswig-Holstein. "Wir Schleswig-Holsteiner werden von dem seit langem prognostizierten Klimawandel direkt betroffen sein. Dabei müssen wir vor allem an die Zukunft der Niederungsgebiete mit ihren Siedlungsgebieten, landwirtschaftlich genutzten Flächen und Naturschutzgebieten denken", sagte die Ministerin in Ihrer Ansprache. Im Rahmen der Klimafolgenforschung müsse sich das Land auf verschiedene unterschiedliche Szenarien einstellen, bei denen wasserwirtschaftliche, ökonomische und zudem ökologische Aspekte zu beachten seien.

Die Ministerin betonte besonders den Aspekt des Umweltschutzes. Sie freue sich besonders über das bereits laufende Projekt "Wind für Wasser". "Damit beschreiten Sie hier an der Westküste einen richtigen Weg, der sowohl die ökonomische, als auch die ökologische Komponente des Problems berücksichtigt", sagte Dr. Rumpf. Mithilfe der neuen Windenergieanlagen können Schöpfwerke indirekt energetisch versorgt werden. Zudem werden die Schöpfwerke durch die Kompensation CO2-neutral eingesetzt. Das Projekt, bei dem vier Windenergieanlagen in Norddeich/Dithmarschen eingesetzt werden, ist mittlerweile auf den Weg gebracht worden und alle Anlagen sind in Betrieb.

Im Mittelpunkt der Feier stand zudem das 80-jährige Bestehen des Marschenverbandes. "Seit acht Jahrzehnten kümmert sich unser Verband um Küstenschutz und um Fragen der Entwässerung unserer Region. Er hat dabei stets die Belange der Bevölkerung vertreten, wenn es um Sicherheit und Wirtschaftlichkeit, aber auch wenn es um Naturschutz ging", sagte der 1. Vorsitzender des Marschenverbandes, Hans-Rudolf Heinsohn, der auch durch das umfangreiche Programm der Feier führte.

In seiner Laudatio ging Dithmarschens Landrat Dr. Jörn Klimant auf die geschichtliche Entwicklung des Marschenverbandes und seine Bedeutung für die Menschen in der Region ein. "Wie in den vergangenen acht Jahrzehnten bildet der Verband auch heute die Klammer für alle Marschenregionen im Westen Schleswig-Holsteins und verhindert, dass wir bei der Bearbeitung der anstehenden Probleme zu kleinteilig denken", erklärte Dr. Klimant. Über die Organisation könnten alle Wasser- und Bodenverbände von der dänischen Grenze bis in die Elbregionen vom Erfahrungs- und Informationsaustausch profitieren.

Als Gastredner der Veranstaltung ging Dr. Jochen Stemplewski, Präsident der Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft (AöW) e.V., auf das Thema "Wasserwirtschaft und Energieerzeugung aus bundesdeutscher Sicht" ein. Dabei lobte er besonders die Bemühungen des Marschenverbandes im Zusammenhang mit dem Projekt "Wind für Wasser". Man nutze den Wind, um den Gefahren des Wassers zu begegnen. Ein Prinzip, dessen Grundgedanken bereits die Vorväter beherzigten, dessen moderne Nutzung im Zuge der Energiewende jedoch hochaktuell ist, so Stemplewski. Die Vorstandsmitglieder des AÖW, die diesmal in Dithmarschen tagten, hatten sich zuvor selbst ein Bild von den Anlagen in Norddeich gemacht.

Eigens aus Berlin war auch Dr. Helge Wendenburg, Ministerialdirektor im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit nach Wesselburen gekommen. In seinem Grußwort erläuterte er vor allem bundespolitische Zusammenhänge rund um das Themenfeld Wasserwirtschaft.

Zum Abschluss des Festaktes betonte Jan Albrecht, erster stellvertretender Vorsitzender des Marschenverbandes Schleswig-Holstein, dass die Region angesichts des Klimawandels und seiner Folgen erneut vor großen Herausforderungen stünde. "Wir müssen an die Menschen und ihre wirtschaftlichen Grundlagen, aber auch an den Naturschutz und die ökologischen Aspekte des Themas denken. Und das nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kinder und Enkel", betonte Albrecht, bevor er die Gäste zu einem Marschenverband-Buffet mit zahlreichen Spezialitäten aus der Region lud.

ZUSATZINFOS:

Niederungen 2050
Der Zwischenbericht der Arbeitsgemeinschaft Niederungen 2050 unter dem Titel "Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Regenwasserbewirtschaftung der Niederungsgebiete an Schleswig-Holsteins Nord- und Ostseeküste mit Elbmarschen" ist in einer Kurzform für interessierte Laien gedruckt worden und steht auch unter www.marschenverband.de im Internet zum Download bereit.

Wind für Wasser
Der Marschenverband hat mit seinen 22 Verbänden das bundesweit einzigartige Pilotprojekt "Wind für Wasser" realisiert und damit 4 Windkraftanlagen in der Gemeinde Norddeich / Dithmarschen errichtet. Die Wasser- und Bodenverbände folgen damit dem bereits vor Jahrhunderten entwickelten Prinzip, Windkraft für die Entwässerung der Marschen zu nutzen. Wurden in vergangenen Zeiten die Schöpfwerke noch direkt durch Windmühlen betrieben, speist man nunmehr die erzeugte Energie ins Netz ein und reduziert so die Beitragslasten aller Grundstückseigentümer an der Westküste. Die Windkraftanlagen sind Ende 2011 / Anfang 2012 in Betrieb genommen worden.

Der Marschenverband Schleswig-Holstein e. V.
Der Marschenverband wurde in der Zeit größter wirtschaftlicher Not Anfang der 1930-er Jahre gegründet. Seit dieser Zeit wahrt er die gemeinsamen Interessen der Marsch Schleswig-Holsteins im Zusammenhang mit der Beherrschung des Wassers außerhalb und innerhalb der Deiche. Obwohl seine insgesamt 22 Mitgliedsverbände den Status einer öffentlichen Körperschaft haben, ist der Marschenverband selbst ein eingetragener Verein. In den vergangenen Jahrzehnten hat der Verband wesentlich zu strukturellen Veränderungen an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste beigetragen. Neben dem Deichschutz spielte der Ausbau der Entwässerungsanlagen in den Marsch- und Niederungsgebieten, die den nachteiligen Tideeinwirkungen der Nordsee unterworfen sind, eine große Rolle in der verbandlichen Arbeit.
Mit der Gesetzgebung im Jahr 1971 ging die Aufgabe des Baus und der Unterhaltung der Deiche an das Land Schleswig-Holstein über. Die Zielsetzungen des Verbandes blieben jedoch unverändert; er sieht sich auch heute noch als wichtiger beratender Faktor in Sachen Küstenschutz. Im Bereich Naturschutz sind der Marschenverband und seine Mitglieder bestrebt, ökonomische und ökologische Erfordernisse in Einklang zu bringen.
Die Geschäftsführung des Marschenverbandes liegt beim Deich- und Hauptsielverband Dithmarschen.

Marschenverband
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